8.8.07

Gartenhaus: Licht am Ende des Gartens

Wenn man sich ein marodes Haus - und sei es nur ein Gartenhaus - ans Bein bindet, ist es vorteilhaft, wenn man Fachleute in der Familie oder im Bekanntenkreis hat.

Seit Montag haben wir Strom in unserem Gartenhaus! Die Getränke sind schon kalt gestellt.

neue Elektroinstallation

Zu verdanken haben wir das (Strom und Kühlschrank) meinem Onkel. Der reiste am Montag Vormittag mit Sack und Pack an. Sogar einen Stromgenerator hatte er dabei.

Generator

Dann werkelte er bis in die späten Abendstunden, und das ist das Ergebnis:

Endlich Licht!

So langsam wurde es aber auch Zeit, denn so ganz ohne Strom ist das (Gärtner-) Leben schon recht beschwerlich. O.k., das bißchen Rasen kann man auch mit dem Handrasenmäher einkürzen, aber die noch anstehenden Bauarbeiten wären ohne Strom eine echte Qual geworden. Einiges an Putz haben wir ja schon von Hand mit einem Hämmerchen abgehackt. Danach hat man platte Daumen und Muskelkater und so richtig vorwärts geht´s auch nicht. Jetzt wird wohl bald ne dicke Hilti zum Einsatz kommen - ratz fatz runter mit dem alten Putz!

Auch das Shreddern von Gartenabfällen ist jetzt wieder möglich. Wieder? Ja, denn wir hatten ja schon mal Strom - "leihweise" von Nachbarn per Verlängerungskabel. Damit war aber im März ganz plötzlich Schluß, und das kam so:

Gleich nach Übernahme unseres Gartens boten uns Nachbarn (Mutter und Sohn, nicht die, von denen wir immer Pflänzchen bekommen) an, daß wir ihre Außensteckdose nutzen könnten, bis wir selbst Strom haben. Man hätte da so ein elektronisches Zählerchen, das man einfach zwischen Stecker und Steckdose schaltet, so daß man die Kosten exakt ablesen kann. Klasse (!), dachten wir, eine echte Hilfe.

Ab und zu nutzten wir den Strom von nebenan zum Sägen, einmal haben wir geshreddert und ein paar Mal was gebohrt.

Im November dann fragte ich Söhnchen Nachbar, was ich ihm schuldig sei. Zur Antwort winkte er ab und meinte, der Zähler zeige 50 Cent. Ich solle es vergessen.

Dieses Jahr benötigten wir den Strom anfangs kaum, bis ich eines schönen Tages Platz in den überquellenden Kompostern schaffen und dazu eine Runde shreddern wollte. Ich lieh mir also den Shredder aus, stöpselte ihn ans Kabel und... nix! Also klopfte ich bei Nachbars und fragte die herbeieilende Mutter Nachbarin, ob sie unseren Strom anstecken könne. Die schnippische Antwort ließ mich rätselnd zurück: "Euer Strom? Wir brauchen die Steckdose nämlich auch manchmal!" "Gut, klar, selbstverständlich, war nicht so gemeint!" Nun steck schon an, meine Leihgebühren laufen, dachte ich. Und sie tat es schließlich auch.

Ich häckselte also vor mich hin und dachte dabei immer wieder über Mutter Nachbarins Reaktion und darüber nach, welche Laus ihr wohl über die Leber gelaufen war.
Nach getaner Arbeit schaffte ich den Shredder zurück. Als ich wiederkam und noch etwas aufräumen wollte, sprach mich der andere Nachbar (der Pflanzenschenker) an und erkundigte sich vorsichtig, ob ich schon mal über eine Baustromanlage als Zwischenlösung nachgedacht hätte. Ihm wäre es ja egal, aber die Nachbarin hätte gefragt. Da war alles klar! Aus irgendeinem Grund paßte es ihr plötzlich nicht mehr, daß wir ihren Strom nutzten, und anstatt es mir selbst zu sagen, tratschte sie mit dem Nachbarn. Der war, weil einseitig informiert, dann auch der Meinung, wir würden uns den Strom "leihen". Daß ich die Bezahlung längst angeboten hatte, konnte er ja nicht wissen.

Da ich es mir mit Mutter und Sohn Nachbar aber nicht unbedingt verderben wollte, tat ich, was ich eigentlich schon länger mal vorhatte: Ich kaufte ihr ein gutes Fläschchen Rotwein und ihm ein Faß Radeberger. So bepackt klopfte ich am nächsten Tag an ihre Laube. Heraus kam Mutter Nachbarin. Ich überreichte ihr meine Präsente und bekam zum Dank ein "Na das ist ja mal eine Geste!" Außerdem hielt ich noch einen Fünf-Euro-Schein in der Hand. Kaum hatte sie den entdeckt, fauchte sie, das würde aber nicht reichen. Auf meine Frage, wie das denn sein könne, schließlich hätte der Zähler im November doch nur 50 Cent angezeigt und seitdem hätten wir kaum mit Strom gearbeitet, erwiderte sie, der Zähler funktioniere doch gar nicht richtig, ihr Sohn hätte ihn schon gar nicht mehr angeschlossen und außerdem sei er dämlich, weil er auf die Bezahlung verzichtet hätte. Ferner könne ich mir ja wohl denken, daß wir nicht nur Strom für 50 Cent verbraucht haben können.
Sie holte dann einen handschriftlichen Zettel herbei, auf dem sie den Durchschnittsverbrauch der Jahre 2000 bis 2005 vermerkt und mit dem Verbrauch 2006 verglichen hatte. Den Mehrverbrauch, der nach ihrer Rechnung € 12,- ausmachte, schrieb sie allein uns zu. Den Zettel könne ich "zum Beweis" behalten. Ja was für ein Beweis soll das denn sein? Der höhere Verbrauch könnte genauso gut auf das lange Gartenjahr und darauf zurückzuführen sein, das Sohn Nachbar länger als sonst in der Laube wohnte und Fernseher, Radio, Satelliten-Receiver, Kühlschrank, Licht und Herd nutzte.
Aber egal, ich wollte mich nicht rumstreiten, gab ihr 12,- Euro und verzichtete auf die "Abrechnung". Dann drehte ich mich um und wollte mich an die Gartenarbeit machen. Mutter Nachbarin quarkte aber nochwas über ihre finanzielle Lage, was ich mir notgedrungen noch anhörte, bei mir aber keine Schuldgefühle auslöste. Hätten sie ihren Mund früher mal aufgemacht, wäre ich der Letzte gewesen, der sich um die Bezahlung des Stroms gedrückt hätte. Kein Verständnis habe ich aber dafür, erst nix zu sagen, Frust anzustauen, mit den Nachbarn zu tuscheln und mich schließlich vollzunöhlen, wenn ich mit einer freundlichen Geste auf sie zukomme.
Noch am Abend diese Tages haben wir unser Verlängerungskabel eingeholt. Seitdem hatten wir keinen Strom mehr - bis Montag - und keinen Kontakt zu den Nachbarn - bis heute - (und was Mutter Nachbarin angeht, kann´s von mir aus so bleiben, warum der Sohn nicht mehr über den Zaun schaut, ist mir unklar).

Kommentare:

Wurzerl hat gesagt…

Habe Deinen Kommentar bei Sisah gelesen, und bin neugierig auf Deinen Blog geworden. Das ist ja eine abenteuerliche Strom-Geschichte.Die Nachbar-Geschichte ist nicht abenteuerlich, sie ist leider fast normal, zumindest was die Kommunikation zwischen Menschen angeht. Nur nicht den Mund aufmachen. Ich habe gestern so einen "Award" verliehen bekommen, den man so schön inflationär an 7 andere weitergeben soll!!! Als ich meine Skepsis in meinem Blog kundtat, da wimmelte es plötzlich von Kommentaren, daß das Zeugs eigentlich "fast" keiner will. Warum nicht gleich so eine Unsitte stoppen!? Und das ist halt überall so, im Beruf, im Alltag, und beim Blog-Vergnügen. Ich hoffe ja nur, daß Ihr mit Eurer Renovierung gut vorankommt, das sieht nach massig Arbeit aus. Ich drücke Euch die Daumen, daß alles nach Wunsch klappt und freu mich schon auf ein Foto vom fertigen Gartenhäuschen.
Liebe Grüße aus Bayern (wo's auch so dämliche Nachbarn gibt, GsD nur auf einer Seite) Wurzerl

auenlaender hat gesagt…

Auf das Foto vom fertigen Gartenhäuschen freue ich mich auch schon. Obwohl, was machen wir dann eigentlich...?

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