11.6.08

Der versteinerte Wald von Chemnitz

Früher fuhren wir oft mal in unsere Bezirksstadt Karl-Marx-Stadt, das heutige Chemnitz. Nicht, weil es da so schön gewesen wäre, sondern zum Einkaufen.

Das Spannendste an dieser Stadt waren für mich als kleinen Knirps das Intershop, in dem es tolle Matchbox gab, und der "versteinerte Wald".

Der "versteinerte Wald" stand früher direkt im Freien am Theaterplatz. Es handelt sich dabei um 290 Millionen Jahre alte Baumstämme, die durch die nach einem gigantischen Vulkanausbruch gebildete Ascheschicht konserviert wurden.

Die Exemplare vom Theaterplatz haben inzwischen ein neues Domizil im Foyer des frisch sanierten Tietz gefunden, hinter dessen Mauern auch das Museum für Naturkunde beheimatet ist.

Eigentlicher Anlaß für diesen Post ist aber ein anderer: Die wenigen, schon Anfang des 20. Jahrhunderts ausgegrabenen Stämme sind längst nicht die einzigen, die unter Chemnitz ruhen! Mitarbeiter des Museums für Naturkunde legen derzeit auf einem ca. 500 qm großen Areal weitere Bäume frei. Besonders faszinierend daran finde ich, daß einige davon sogar noch aufrecht stehen, also genau so wie vor 290 Millionen Jahren als der Ascheregen auf sie niederprasselte.

Langfristig würden die Forscher gern ein größeres Stück des ehemaligen tropischen Waldes freilegen, um so an diesem weltweit einzigartigen Ort wertvolle Erkenntnisse über das Leben im Perm, die Dichte des Regenwaldes und längst ausgestorbene Arten zu gewinnen. Außerdem, so die Vision der Verantwortlichen, soll ein Teil des Waldes zu einer begehbaren Besucherattraktion werden. Als Dresdner kommt man sonst ja kaum in die Verlegenheit, Chemnitz ob seiner touristischen Qualitäten zu beneiden ;-). Die Möglichkeit, in einem versteinerten Wald zu wandeln, wäre allerdings definitiv ein Grund! Ganz sicher wäre das auch ein Grund für die ebenfalls angestrebte Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste.

Im Moment wird allerdings erstmal fleißig geschaufelt, gepinselt und gesiebt. Das heißt aber nicht, daß man sich das Ganze nicht schon mal anschauen kann. Bis September hat man Gelegenheit, das Grabungsfeld zu besichtigen und an einer Führung teilzunehmen.

Wo? Frankenberger Str. 61, 09131 Chemnitz
Wann? jeden Sonnabend und Sonntag von 14-16 Uhr
Kosten? normal € 4,- / ermäßigt € 2,50 / Familien € 8,- / Klassen € 2,- (wohl pro Nase)

Wenn man einmal da ist, kann man mit den Karten auch gleich noch in das Museum für Naturkunde gehen und sich bei der Gelegenheit die Innenstadt von Chemnitz ansehen, die zugegebenermaßen längst nicht mehr so häßlich ist wie früher.

Mehr Infos:

Zum Schluß hier noch ein Link zu einem Video, das zeigt, wie man vielleicht bald durch den versteinerten Wald spazieren kann.

Kommentare:

sisah hat gesagt…

Als (alternde) Wossi, die als junge Wessi nie auf die Idee gekommen wäre, im eigenen Land Urlaub zu machen, finde immer mehr Geschmack daran, das eigene Land zu entdecken und besonders auf Entdeckungsreisen in den Osten zu gehen und dort wunderschöne Eckchen zu finden!
Chemnitz kenne ich noch nicht...und würde auch selbst nicht auf die Idee kommen, diese Stadt aufsuchen zu wollen....es sei denn, es würde etwas geben, das mich interessierte. Danke also für den Hinweis zum Steinwald, das wäre schon etwas, was ich mir gerne ansehen würde!
Übrigens habe ich noch einmal einen Kommentar zum Thema Zucchini und meiner politisch unkorrekten Anmerkung geschrieben.

auenlaender hat gesagt…

Chemnitz ist gar nicht sooo übel. Klar, was die städtische Architektur angeht, ist es eher mit Essen oder Dortmund zu vergleichen, als mit Dresden, Leipzig oder München. Als Shopping-Meile ist es aber ganz gut geeignet.

Es hat aber noch mehr zu bieten. Wer auf moderne Kunst steht, kann z.B. in das Museum Gunzenhauser gehen. Es war schon ein gelungener Coup der Chemnitzer, sich so eine bedeutende private Kunstsammlung in die Stadt zu holen.

Wer es etwas älter mag kann sich das hübsche Klaffenbacher Wasserschloß oder das Schloß Lichtenwalde mit dem Barockgarten ansehen. Auch die Augustusburg und das Erzgebirge liegen direkt "um die Ecke".

So, nun aber genug der Chemnitz-Werbung aus Dresden ;-)

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